Supermoto ist eine Disziplin für sich. Wer darin erfolgreich sein will braucht vor allem eines: Durchhaltevermögen. Diese Eigenschaft und noch vieles mehr bringt der diesjährige FIM S1GP SuperMoto World Champion, Lukas Höllbacher, mit. Im Interview erzählt der sympathische Oberösterreicher über seine Highlights aber auch Challenges und woher der Spitzname “Fastest Baker” kommt.
Es ist einfach überwältigend. Weltmeister zu werden war seit meinem Einstieg in die WM 2014 mein großer Traum, und dass er sich jetzt erfüllt hat, bedeutet mir extrem viel. Auch wenn es unter besonderen Umständen passiert ist, fühlt es sich für mich zu hundert Prozent verdient an, weil Ehrlichkeit im Sport zählt und genau dafür stehe ich. Mit dem Doppel-Weltmeistertitel 2025, dem Supermoto of Nations und dem Einzel-WM-Titel, ist es ganz klar das beste Jahr meiner Karriere.
Supermoto ist eine Mischung aus Offroad- und Onroad Racing. Die Rennstrecken bestehen meist aus etwa 70 % Asphalt und 30 % Offroad. Gefahren wird mit 450 cc Supermoto Bikes, abgeleitet von Motocross Maschinen, aber mit Slicks, größeren Bremsen und strafferem, kürzerem Fahrwerk. Rennen laufen ähnlich ab wie im Motocross: 25 Minuten Heats mit 25–30 Fahrern. Die Herausforderung ist, das Motorrad so abzustimmen, dass es sowohl auf Asphalt (straff, steif, wendig) als auch Offroad (weicher, nachgiebiger) funktioniert – den „goldenen Mittelweg“ zu finden ist nicht leicht. Mental ist das extrem herausfordernd. Aktuell gibt es viele nationale Meisterschaften und die WM, die mittlerweile fast nur mehr in Europa stattfindet, da Überseerennen budgetär schwer zu stemmen sind.
Ich habe mit 50 cc Bikes begonnen. In Mattighofen gab es damals Supermoto-Rennen am Firmengelände, inklusive Kinderklassen. Mein Papa ist selbst gefahren und meine Schwester Laura und ich haben einfach mitgemacht. So hat alles angefangen. Damals gab es mehr Trainingsmöglichkeiten – Parkplätze, Veranstaltungen, Grenzlandrennen. Bald darauf sind wir in Deutschland, der Schweiz und Italien gefahren. Mit 17 war ich weitgehend auf mich allein gestellt, weil meine Familie den Betrieb daheim führen musste. Ich hatte aber immer gute Leute um mich herum, die mir viel beigebracht haben.
Eigentlich ist das schleichend gekommen. Die Hochphase des professionellen Supermoto war rund 2010, doch genau in der Zeit ging es bergab: Hersteller zogen Werksteams zurück, Budgets wurden kleiner. Ich hatte also kaum aktive Vorbilder. Ich war schnell konkurrenzfähig und bin gegen Fahrer wie Bernd Hiemer gefahren, die am Karriereende waren. Professionell im Sinne von „vom Sport leben“ konnte man Supermoto aber kaum betreiben – es gab Material- und technischen Support, aber keinen finanziellen.
Ich bin immer KTM gefahren. Materialtechnisch war KTM für mich die beste Basis. Man hatte passende Teile, gute Ersatzteilversorgung und ein starkes Paket für die Saison. Unterstützung war immer da, sodass man gewinnen konnte.
Vor allem die Herangehensweise: Früher bin ich einfach gefahren – jung, wild, voller Energie. Mit der Zeit kamen körperliche Fitness, mentale Stärke und Routine dazu. Fahrstil und Speed haben sich nicht extrem verändert, aber Verständnis, Konstanz und Reife schon. Ich weiß heute, dass man nicht jedes Rennen gewinnen muss, um am Ende vorne zu stehen. Verletzungen und Stürze verändern einen zusätzlich – man denkt mehr nach, setzt Prioritäten anders.
Ich bin lange ohne große Verletzungen ausgekommen. Dann kamen Rückenprobleme – letztlich ein Bandscheibenvorfall 2023. Beim letzten Rennen vor der Saison habe ich plötzlich starke Schmerzen und Ausstrahlung bis in den Fuß gehabt. Die empfohlene Operation verlief nicht optimal, ein Nerv wurde gereizt, und ich hatte zwei Tage lang kein Gefühl im rechten Fuß. Danach folgte ein intensives Rehaprogramm über acht Monate. Beim ersten Mal zurück auf dem Bike stürzte ich und verletzte mir die Schulter schwer (Bänder- und Kapselverletzungen, Pfannenschaden). Auch hier lief die OP nicht ideal, Reha parallel zum Rücken – sehr intensiv. Ein Restproblem ist geblieben, und eine weitere Behandlung steht im Raum.
Anfangs war es okay, weil ich durch meinen zweiten Beruf – meine Bäckerei – genug zu tun hatte. Abstand hat mir auch gutgetan. Aber mental ist es hart, wenn man weiß, welchen Aufwand der Wiederaufbau bedeutet und dann auch noch Schmerzen zurückkommen.
Ja, definitiv. Die aktuelle Phase ist die schwierigste. Ich bin froh über die Off-Season, weil ich Zeit brauche, um zu entscheiden, wie es weitergeht. Viele Menschen wollen wissen, wie mein Plan aussieht – aber die Schulter entscheidet alles.
Einfach genial (Stolz blitzt in seinen Augen auf). Keiner hat uns diesen Sieg zugetraut. Wir hatten starke Gegner, vor allem Deutschland. Ich habe zwei Laufsiege geholt und damit den entscheidenden Punkt für Österreich eingefahren. Das war ein unglaublich emotionaler Moment – ein richtiges Highlight im Leben.
Natürlich den WM-Titel verteidigen. Aber wichtigste Voraussetzung ist, gesund zu bleiben. Das Ergebnis hängt stark davon ab, wie gut sich die Schulter erholt. Team und Material passen – das letzte Puzzleteil fehlt manchmal noch, aber man arbeitet jedes Jahr aufs Neue daran.
Mehr Öffentlichkeit, mehr Nachwuchs, aber vor allem mehr Nähe zu den Fans – Stadtrennen funktionieren extrem gut. Die Nachwuchsarbeit in Österreich läuft gut, Jugendklassen wachsen. Was fehlt, sind Trainingsstrecken – viele Gemeinden stehen dem etwas kritisch gegenüber.
Das Shooting war sehr cool: perfekte Strecken, Locations, Team. Man kann die Bikes wirklich ausreizen. Die neuen Supermoto Modelle gefallen mir extrem gut – Optik, Handling, Fahrmodi, Dashboard – ein tolles Gesamtpaket, besonders für ambitionierte Fahrer.
Ich leite seit sechs Jahren die Klosterbäckerei Höllbacher – die älteste Bäckerei Österreichs. Das ist ein schöner Ausgleich und lässt sich gut mit dem Motorsport kombinieren. Privat versuche ich, ein „normales Leben“ zu führen, was aber zeitlich oft schwer ist. Mein Spitzname „Fastest Baker“ kommt übrigens aus meiner Zeit in Spanien als ich dort Meisterschaften gefahren bin. Irgendwer hat mitbekommen, dass mein eigentlicher Beruf Bäcker ist und meinte ich wäre sicher der schnellste Bäcker – den haben die Leute übernommen, und er ist irgendwie geblieben.
2013, mein Einstieg in die S1 ‑Kategorie – die Königsklasse. Ich wurde als junger Fahrer sofort akzeptiert, fair behandelt und konnte große Ergebnisse einfahren: Österreichischer Meister, Deutscher Meister, erster WM-‑Laufsieg und natürlich der Nations Sieg dieses Jahr!‑ Als ich dann kurz vor Weihnachten den Anruf bekam, ich wäre der neue FIM S1GP SuperMoto World Champion konnte ich mein Glück kaum fassen. Die ganze harte Arbeit hat sich ausgezahlt und mein Lebenstraum die WM zu gewinnen wurde endlich wahr.
Genau so machen – Engagement, harte Arbeit, Zielstrebigkeit. Vollgas attackieren, immer das Ziel vor Augen. Niemals nachlassen und am wichtigsten, auf erfahrene Leute hören, dann macht man nicht so viele Fehler. Klar muss man Fehler selbst machen, aber im Motorsport sind Fehler meistens mit Schmerzen verbunden. Also einfach fokussiert bleiben und Spaß haben. Und nie unterschätzen, wie wichtig ein gutes Umfeld ist.