SIX DAYS 2012 – TAG 3/6
veröffentlicht am 28.09.2012 / created by Bernhard Walch
Frankreich demoliert die Gegnerschaft – Österreich macht Boden gut.
Das französische Dreamteam zeigt neuerlich ganz groß auf. Die Mannen aus Frankreich belegen Overall die ersten vier Plätze mit Meo an der Spitze, gefolgt von Renet, Nambotin und Aubert und bauen die Führung auf 19 Minuten aus. Die Aussies hauen sich zwar wie bisher mit vollem Körpereinsatz in den Tag, aber gegen Team France ist momentan kein Kraut gewachsen. Dahinter eroberte sich Team Italy bereits gestern den letzten Podestplatz und nahm den Schwung mit in den heutigen Tag. Die Azzurris unter Führung von Mario Rinaldi ließen sich auch durch den Ausfall von Oscar Balletti nicht aus der Ruhe bringen und festigten ihren dritten Platz.
Aus für Salminen
Demgegenüber beklagen die Finnen den prominentesten Ausfall bei dieser Six Days – Juha Salminen mit schwerem Sturz bereits gestern im Pech, bekam es heute noch dicker. Bereits am Vormittag begann sein Motor zu streiken und gab kurze Zeit später komplett den Geist auf. Aus für Multichamp Salminen durch technischen Defekt seiner Husqvarna. Dies bremste irgendwie das ganze finnische Team ein, was den Rückfall auf Platz 6 zur Folge hatte.
Trophy Team Austria macht Boden gut und holt sich Platz 12 zurück
Wie erwartet kam das Streckenprofil der dritten Etappe mit dem hohen Geländeanteil dem rotweißroten Team entgegen. Alle sechs Mann im Ziel und wiederum lieferte die gesamte Trophy Mannschaft eine geschlossene Leistung ab, was mit dem Vorrücken auf Platz 12 belohnt wurde. Die mehr als 300 Kilomter lange Runde mit 60 Kilometern Sonderprüfung und dazwischenliegenden Geländehappen wie Teufelsberg, Weberhang und einigen selbst geschnitzten Schlammlöchern und Auffahrten stellte keine allzu große Herausforderung für die Jungs dar. Happiger hingegen die Sonderprüfung in Börnichen, die gefährlich schnell zwischen den Bäumen dahingeht und mit einer mehr als knackigen Auffahrt wartet. Markus Tischart hatte hier einen heftigen Abgang mit Landung zwischen den Zuschauern, der glücklicherweise ohne Verletzung oder Defekt ausgegangen ist. Glück also noch einmal für den Kärtner Holzspediteur, der ansonsten täglich in solchem Gelände unterwegs ist.
Bernhard Walzer und Daniel Stocker berichteten ebenfalls von dem einen oder anderen Aha-Erlebnis, aber im Gesamten ein sehr guter Tag für Team Austria. Die beiden Steirer ansonsten ebenfalls in den Wäldern zuhause, zollten im Ziel der SP3 Börnichen einigen Respekt, ließen es aber dennoch in gewohnter Weise krachen. Krachen ließ es auch Rudi Pöschl auf seiner Husaberg, der einen richtigen Lauf hatte und sich von Lars Enöckl den Titel als Tagesschnellster innerhalb des Teams abholte. Pöschl haderte bisher ein wenig mit seiner neuen Berg, die er erst kurz vor den Six Days ausgefasst hatte und die ihn bereits mehrmals in den letzten Tagen abgeworfen hat. „Mir taugt sie schon, aber sie mag mich anscheinend noch nicht“, so der O-Ton von Pöschl. Heute im Gelände rund um Zschopau wurden sich die beiden endlich einig, was sich dann auch gleich in guten Zeiten niederschlug.
Im Schlagschatten des Tirolers taucht aber bereits wieder Lars Enöckl auf. Der jüngste Teamstreiter mit Hang zum Extremen sollte dann morgen wieder richtig in seinem Element sein, denn die Wetterprognosen stehen auf ergiebige Nässe von Oben, was wiederum dem Edeltechniker aus Lunz entgegenkommen sollte. Enöckl ansonsten vorwiegend in der Extreme-Enduro Szene zu finden, kann seine technische Raffinesse gerade bei schwierigen Verhältnissen einsetzen, die er zur Genüge aus seiner Lunzer Heimat kennt.
Schwierige Bedingungen sind scheinbar auch das Ding von Matthias Wibmer, als zweiten Jungspund innerhalb des Trophy Teams. Der Osttiroler liefert auch an Tag 3 eine konstante Performance ab und meistert mühelos alle Schwierigkeiten des Tages. Einzig über ständige Schmerzen am linken Unterarm klagte Wibmer im Ziel, die aber sogleich vom betreuenden Physiotherapeuten behandelt wurden und hoffentlich damit gegessen sind. Nach drei Tagen Fahrt und rund 800 Kilometern Etappe, beginnt es natürlich langsam aber sicher überall zu zwicken und neben dem Maschinenservice brauchen die geschundenen Körper ebenfalls eine Zuwendung.
Apropos Service der Renngeräte am Tagesende
Ein tägliches Highlight bilden die 15 Minuten Servicezeit am Ende einer jeden Tagesetappe im Fahrerlager des Sachsenringes. Hier finden sich täglich Hundertschaften an Zuschauern ein, wenn die Fahrer aus ihrer Runde zurückkommen und zum Reifenwechsel, usw. in die Servicezone einfahren.
Unter Höchstdruck werden die Reifen förmlich von den Felgen gerissen und wieder montiert, sowie alle anderen Arbeiten wie Luftfilterwechsel, Bremsbeläge, usw. erledigt. Dabei sind fast alle Arbeiten wohlgemerkt von den Fahrern selbst zu erledigen und gerade dies stellt auch die Attraktion dar. Wo sonst bekommt man mehrfache Weltmeister zu sehen, die sich im Schweiße ihres Angesichts die Hände beim Reifen montieren schmutzig machen. Das alles am Ende eines langen, ermüdenden Tages mit ständigem Blick auf die Uhr und direkt vor den Augen der versammelten Zuschauermassen. Wer schon einmal selbst einen Reifen samt Mousse getauscht hat, weiß worum es geht.
Team Austria weiß es scheinbar, klatschen die Jungs die Reifen doch nur so runter und auch sonst können alle anstehenden Arbeiten innerhalb der Zeit abgehakt werden. Selbst für den einen oder anderen Schmäh bleibt da noch Zeit.
Junior Trophy Team Austria schnappt sich die Chilenen
Einiges zu Grinsen gibt es auch bei den Jungen, liefert doch das Junior Trophy Team ebenfalls eine großartige Leistung ab und macht wieder einen Platz gut. Junior Team Austria somit auf Platz 12 vor Chile und der Slovakei. Die Abstände zu den weiter vorne liegenden Mannschaften sind ebenfalls überschaubar und weiterhin ist alles drinnen für das junge Team bestehend aus Florian Salbrechter/Husaberg, Walter Feichtinger/KTM, Felix Wegleiter/KTM und Michael Feichtinger/KTM. Alle Vier absolvieren den dritten Tag mustergültig und sind augenscheinlich immer noch in bester Verfassung, ganz abgesehen von der guten Laune, die die Jungs überall verbreiten. Salbrechter war anfangs mit einem Fragezeichen behaftet, rückte er doch mit einer angeknacksten Rippe ein, aber der Bursche ist hart im Nehmen und steht jeden Tag aufs Neue seinen Mann.
Blondschopf Felix Wegleiter als kurzfristig eingesprungener Ersatzmann für den verletzten Benni Schöpf reitet übrigends auf der einzigen 200er-KTM durchs Gelände und ist mit seinem pinkfarbenem Rückspiegel auch immer leicht erkennbar. Nicht so leicht ist es da beim Brüderpaar Michael und Walter Feichtinger, die als Zwillinge fast nicht unterscheidbar sind und auch zeitenmäßig oft eng beisammen liegen.
Eng sollte es dann für Tag 4 werden, ist doch Regen angekündigt und spätestens ab da geht es auf der Etappe rund um Zschopau wirklich ans Eingemachte. Nasse Strecke in Zschopau ist gleichbedeutend mit mehrfacher Potenzsteigerung der Schwierigkeitsstufe, speziell bei den bekannten Auffahrten Weberhang und Teufelsberg, aber auch die bisher fast ausgetrockneten Schlammlöcher rund um Börnichen verdienen dann wieder ihren Schreckensnamen. Daneben warten dutzende kleine und große Gemeinheiten auf dem 300km langen Weg vom Start bis zum Parc Fermé am Abend.
Es wird sich zeigen, ob auch am Tag 4 dieser Red Bull Six Days alles nach Plan verläuft.
www.isde-2012.de
Red Bull Six Days 2012 – Impressionen Tag 3















































